In der Mediation ist die Vertraulichkeit nicht nur eine nette Geste, sie ist eine unverhandelbare Rahmenbedingung, auf der Prozess aufbaut. Ohne diesen geschützten Raum würden sich die Konfliktparteien nicht öffnen, und ohne Vertrauen und Ehrlichkeit kann es keine nachhaltige Lösung geben. Doch was passiert, wenn wir eine Künstliche Intelligenz in diesen Raum lassen? Hier beobachte ich eine spannende, aber auch kritische Entwicklung.
Momentan befinden wir uns in einer Phase des vorsichtigen Vortastens. Bereits einige Kolleginnen und Kollegen nutzen KI bereits für administrative Aufgaben:
So protokollieren Tools Sitzungen in Echtzeit, aus dem gesagten werden automatisch Themenlisten erstellt und KI unterstützt dabei gesagtes neutraler zu formulieren.
So hilfreich der Einsatz von KI ist, so gibt es aber auch das Problem, dass die meisten gängigen KI-Tools Cloud-basiert arbeiten. Aus meiner Sicht kollidiert das Versenden von Daten zur Verarbeitung an Server in Übersee (meist die Vereinigten Staaten) geschickt, mit der Verschwiegenheitspflicht in der Mediation und der DSGVO. Das Risiko, dass so vertrauliche Sitzungsinhalte in den Trainingsdaten künftiger Modelle landen, ist bei Standard-Accounts real.
Wenn wir über KI in der Mediation sprechen, müssen wir über Datensouveränität reden. Hierbei müssen drei unterschiedliche Ebenen betrachtet werden, damit KI im Mediationskontext eingesetzt werden kann:
Ich wage eine Prognose: Die KI wird vom reinen Schreibwerkzeug zum „Co-Mediator“ avancieren. KI wird während einer Sitzung subtile Muster in der Kommunikation erkennen, die uns Menschen entgehen (z. B. eine zunehmende Eskalationsdynamik in der Wortwahl). Bevor eine Lösung unterschrieben wird, könnten wir die KI fragen: „Welche Schwachstellen hat diese Vereinbarung in zwei Jahren?“ KI wird Mediationen in Echtzeit übersetzen und so sprachliche Hürden fast vollständig eliminieren.
Aber, wir stehen meiner Meinung nach nicht vor dem Ende der menschlichen Mediation, sondern vor einer Evolution. Die KI wird uns die kognitive Schwerstarbeit abnehmen (z. B. Strukturieren & Zusammenfassen), damit wir uns auf das konzentrieren können, was keine Maschine je beherrschen wird: Echte menschliche Empathie und das Gespür für das, was zwischen den Zeilen steht.